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Seefeuer (OmU)

Kein Flecken in Europa liegt so nah bei Afrika wie die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa. Nur 138 Kilometer trennt sie von der tunesischen Küste, weshalb sie seit Jahren als das Einfallstor für Hunderttausende afrikanischer Flüchtlinge gilt und immer wieder zum Schauplatz fürchterlicher Flüchtlingsdramen wird. Damit ist die Insel, die mit ihren 20 Quadratkilometern gerade mal so groß ist wie Langeoog, heillos überfordert und so in einem permanenten Ausnahmezustand. Verschiedene Dokumentarfilmer haben sich der Situation dort angenommen, wie z.B. der österreichische Regisseur Jakob Brossmann mit seinem mehrfach ausgezeichneten Film „Lampedusa im Winter“ oder Gianfranco Rosi mit „Seefeuer“ (OT: „Fuocoammare“) Die italienisch-französische Koproduktion lief 2016 im Wettbewerb der Berlinale und wurde ebenfalls mit Preisen überschüttet: mit dem Hauptpreis der Filmfestspiele, dem Gläsernen Bären, sowie dem Preis der Ökumenischen Jury, dem Amnesty International Filmpreis und dem Preis der Leserjury der Berliner Morgenpost.

Gianfranco Rosi schildert die Situation auf Lampedusa aus einem anderen Blickwinkel heraus als sein Kollege. Im Mittelpunkt seines still und genau beobachtenden Dokumentarfilms, der ohne jeglichen Kommentar auskommt, steht der zwölfjährige Samuele, Sohn eines Fischers. Genaugenommen ist es ein Porträt dieses liebenswerten Jungen, der zusammen mit seiner Großmutter und dem Vater in einem kleinen Haus lebt, schnell seekrank wird, wegen seines „faulen Auges“ eine Augenklappe tragen muss und ansonsten mit seinem Freund auf der Insel herumstromert. Sein Alltag scheint kaum mit den täglichen Flüchtlingskatstrophen in Berührung zu kommen – mit den Rettungsaktionen auf dem Meer, den Toten in den Schiffen, der Situation der Flüchtenden bei ihrer Ankunft. Davon zeugen die Erzählungen eines engagierten Arztes, der die Flüchtenden bei ihrer Ankunft medizinisch versorgt, die Erinnerungen von Flüchtenden oder erschütternde Bilder von der Rettung der desolaten Flüchtlingsboote, die durch harte Schnitte dem doch recht sorglosen Alltag des Zwölfjährigen gegenüber gestellt werden. Ein Jahr lang beobachtete Gianfranco Rosi das Leben und den Alltag auf der „Insel der Hoffnung“, wo Normalität und Ausnahmezustand so dicht nebeneinander existieren. Dieses Spannungsfeld aufzuzeigen und allein durch Bilder wirken zu lassen, macht diesen Film so besonders und ergreifend!


Blu-ray-Bildformat:1:1,85/1080p
Sprachen: Italienisch dts HD 5.1
Untertitel: Deutsch

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