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25.01.2017 - Kinotipp: SUBURRA

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Carlo Bonini und Giancarlo De Cataldo entwirft Regisseur Stefano Sollima („Romanzo Criminale“, „Gomorrha – Die Serie“) in „Suburra“ ein verkommenes Bild der italienischen Hauptstadt, die passend zum unheilvollen Treiben des Öfteren in sintflutartigem Regen versinkt.

Wenig ist hier zu sehen vom ehrwürdigen Antlitz der Ewigen Stadt, die Jahr für Jahr von unzähligen Touristen überrannt wird. Markante Wahrzeichen geraten nur selten in den Blick. Vielmehr erforscht Paolo Carneras Kamera luxuriöse Appartements, zwielichtige Nachtclubs und vergessene Vororte, an denen sich das umfangreiche Figurenensemble tummelt. Dreh- und Angelpunkt der weit verästelten Handlung ist der Politiker Filippo Malgradi, der im Auftrag einflussreicher Mafiafamilien ein großes Bauprojekt im Küstenviertel Ostia auf den Weg bringen soll. Als eine minderjährige Prostituierte bei einem drogengeschwängerten Stelldichein mit dem Abgeordneten an einer Überdosis stirbt, muss sich Malgradi plötzlich mit einem forschen Erpresser herumschlagen. Der junge Mann, der bei der Entsorgung der Leiche behilflich ist, gehört zum skrupellosen Anacleti-Clan und ist wild entschlossen, sein Wissen zu vergolden. In seiner Not wendet sich der Parlamentarier an den aufstrebenden Gangster Aureliano, der den Mitwisser bloß einschüchtern soll, bei einem Handgemenge jedoch ermordet. Daraufhin sinnt Manfredi Anacleti, der die Familie des Toten anführt, auf Rache und zwingt den gut vernetzten Party-Organisator Sebastiano, bei der Suche nach dem Schuldigen zu helfen. Parallel bemüht sich der mächtige Pate „Samurai“, eine Gewalteskalation zu verhindern, da der blutige Aufruhr das ökonomisch reizvolle Bauvorhaben gefährden könnte.

Politik, Kirche und organisiertes Verbrechen sind in „Suburra“ eng verbunden und bilden die Eckpfeiler einer korrupten Gesellschaft, die sich geradewegs auf den Abgrund zubewegt. Nicht umsonst beginnt der Film, der 2011, also im Jahr von Silvio Berlusconis Rücktritt, spielt, mit einem Countdown und weist uns gleich zu Anfang darauf hin, dass die Apokalypse nur noch sieben Tage entfernt ist. Hat man sich in der komplexen Welt der Romanadaption einmal zurechtgefunden und die Beziehungen der Protagonisten durchschaut, entfaltet der Politthriller einen enormen Sog, der uns das düstere Geschehen bis ins grimmige Finale gebannt verfolgen lässt. Geboten bekommt der Zuschauer nicht nur getriebene Figuren und wilde Schießereien, sondern auch einen differenzierten Einblick in den Mikrokosmos Rom. Interessant ist etwa die Beobachtung, dass der Mafioso „Samurai“ Kontakte in höchste Kreise pflegt und Druck auf bekannte Persönlichkeiten ausüben kann, während die als Zigeuner beschimpften und nicht zufällig in einem Randbezirk beheimateten Anacletis verhältnismäßig kleine Brötchen backen. Ihr Wunsch, endlich am großen Kuchen teilzuhaben, trägt entscheidend dazu bei, dass die schwelenden Konflikte auf unkontrollierte Weise explodieren.

Wer an Sollimas versiert inszeniertem, brodelndem Rom-Porträt Gefallen findet, darf sich schon bald auf Nachschub freuen, da Netflix die Abgründe in Serienform noch genauer erforschen wird.

Regisseur: Stefano Sollima

Darsteller: Pierfrancesco Favino (Filippo Malgradi), Elio Germano (Sebastiano), Claudio Amendola („Samurai“), Alessandro Borghi (Aureliano), Adamo Dionisi (Manfredi Anacleti), Greta Scarano (Viola), Giulia Elettra Gorietti (Sabrina)

Italien/Frankreich 2015, Länge: 130 Min.

Kinostart: 26.01.2017

Altersempfehlung: Ab 16 Jahren