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08.02.2017 - Kinotipp: THE GIRL WITH ALL THE GIFTS

Wer glaubt, das Zombie-Genre sei auserzählt, darf sich ab Februar 2017 eines Besseren belehren lassen. Colm McCarthys Bestseller-Verfilmung „The Girl with All the Gifts“ erweist sich als gelungene Variation mit einer interessanten Hauptfigur.

England in naher Zukunft: Mutierte Pilzsporen lösen eine Epidemie aus und verwandeln alle Infizierten innerhalb kürzester Zeit in seelenlose, fleischfressende Wesen – sogenannte „Hungries“. Auf einer streng bewachten Militärbasis führt die Wissenschaftlerin Dr. Caldwell auf der Suche nach einem Heilmittel grausame Experimente an Kindern durch, die zwar den Virus in sich tragen, ihr Denkvermögen aber nicht verloren haben. Zu den Probanden, die tagein, tagaus zum Schulunterricht gekarrt werden, gehört auch die zehnjährige Melanie, die mit ihrer Neugierde und ihrem Einfallsreichtum das Herz ihrer Lehrerin Helen Justineau erweicht. Als die Anlage eines Tages von einer Meute Infizierter angriffen wird, kann sich das intelligente Mädchen zusammen mit Helen, Dr. Caldwell, Sergeant Parks und zwei weiteren Soldaten in Sicherheit bringen.

Ohne Umschweife werfen Regisseur McCarthy („Sherlock“) und Drehbuchautor Mike Carey, der auch die Vorlage verfasste, den Zuschauer in eine beklemmende Szenerie hinein. Im Anfangsdrittel befinden wir uns ausschließlich im beengten Bunker-Setting und erfahren erst nach und nach, warum Melanie und die anderen Kinder wie Schwerverbrecher behandelt werden. Auch wenn die scheinbar harmlosen Minderjährigen nach wie vor über menschliche Intelligenz verfügen, können sie, wie Sergeant Parks in einer höchst unbehaglichen Szene demonstriert, urplötzlich zu Monstern mutieren. Dann nämlich, wenn ein Mensch ihnen zu nahe kommt.

Nach dem wunderbar atmosphärischen Einstieg überrascht uns der Horrorthriller mit einem Angriff der Hungries, den McCarthy dank wackeliger Kamerabilder als Schockmoment direkt auf das Publikum überträgt. Fortan skizziert der Film die Reise der Überlebenden durch verheerte Landstriche. Verlassene Straßen, heruntergekommene Gebäude und wild wuchernde Pflanzen führen uns eine postapokalyptische Welt vor Augen, die sich aus realen Schauplätzen und kleinen digitalen „Verfeinerungen“ zusammensetzt. Obwohl im Mittelteil die Spannungskurve etwas absackt und einige Klischees gestreift werden, kann man sich dem Geschehen nur schwer entziehen, was nicht zuletzt Hauptdarstellerin Sennia Nanua zu verdanken ist. Die Kinodebütantin schafft es, die zwischen Zombie-Trieb und Menschlichkeit schwankende Protagonistin eindringlich darzustellen und ihre zunehmende Emanzipation glaubhaft zu vermitteln. Besonders reizvoll sind Melanies Gespräche mit der von Glenn Close bestechend charismatisch verkörperten Dr. Caldwell, die explosive moralische Fragen umkreisen. Fragen, die auf einen starken Schlusspunkt hinauslaufen, der entweder hochgradig erschütternd oder aber verhalten optimistisch ausfällt. Je nachdem, welche Perspektive man einnimmt.

Regisseur: Colm McCarthy

Cast: Sennia Nanua (Melanie), Gemma Arterton (Helen Justineau), Glenn Close (Dr. Caldwell), Paddy Considine (Sergeant Parks), Fisayo Akinade (Kieran Gallagher), Antony Welsh (Dillon)

Großbritannien/USA 2016, Länge: 110 Min.

Kinostart: 09.02.2017

Altersempfehlung: Ab 16 Jahren