News

Übersicht

07.03.2017 - Kinotipp: Moonlight

Den Spitznamen „Little“ zu tragen, ist in Liberty City kein Kompliment. In dem überwiegend von Afroamerikanern bewohnten Problemviertel von Miami schwingt dabei vielmehr Missachtung mit. Der schmächtige Chiron hat sich längst daran gewöhnt, so genannt zu werden. In der Schule ist er seinen stärkeren Klassenkameraden ausgeliefert, zu Hause den Stimmungsschwankungen seiner drogenabhängigen Mutter. Dann lernt er den Dealer Juan kennen.

Juan hat nicht im Sinn, Chiron auszunutzen. Er macht ihn stark, er gibt ihm Selbstvertrauen, er bringt ihm im Meer das Schwimmen bei – und verspricht ihm, ihn zu halten. So eine Unterstützung hat Chiron noch nie erfahren. Und die Begegnung mit Juan wird sein Leben entscheidend prägen. Später, wenn er sich als Jugendlicher in seinen Klassenkameraden Kevin verliebt und von diesem enttäuscht wird. Und als junger Erwachsener, wenn er als Dealer „Black“ durch Miami fährt und überraschend einen Anruf von Kevin erhält.

Die Geschichte eines Lebens, erzählt in drei Kapiteln und ganz ohne dabei zum Problemfilm zu werden. Von den ersten Minuten an gelingt es dem Regisseur Barry Jenkins, eine außergewöhnliche Stimmung zu schaffen und die Erwartungen zu unterlaufen. Wir treffen auf Figuren, die durch andere Filme, die in demselben Milieu spielen, schon zu Klischees geronnen sind. Und doch sind der Dealer Juan, die drogensüchtige Mutter von Chiron oder eben der einsame gemobbte Junge hier anders. Nicht auf die oberflächliche Zuschreibung kommt es an, sondern auf das, was sich darunter verbirgt. Jenkins bringt seine Figuren zum Leuchten und erzählt ebenso realistisch wie poetisch vom Erwachsenwerden, dem Finden der sexuellen Orientierung und der Liebe. Trister Alltag und magische Momente gehen hier Hand in Hand. In ausgesucht schönen Bildern erzählt der Regisseur dabei seine Geschichte, mit der er sich spürbar verbunden fühlt, und vertraut vor allem auf das Spiel seiner überzeugenden Darsteller.

Bei der Oscar-Verleihung 2017 wurde „Moonlight“ als bester Film ausgezeichnet und war die große Überraschung. Ein kleiner Independent-Film, noch dazu über einen schwulen Afroamerikaner. In der noch jungen Trump-Ära ist das mehr als ein klares Statement für die Anerkennung von Vielfalt in jeglicher Hinsicht, eine Aufforderung, sich auf Menschen einzulassen und sie nicht vorab zu verurteilen. Und für das Kino ist dieses Drama nicht zuletzt eine große Bereicherung.

Regie: Barry Jenkins
USA 2016, 111 Min.

Darsteller: Alex Hibbert (Chiron als Kind), Ashton Sanders (Chiron als Jugendlicher), Trevante Rhodes (Chiron als Erwachsener), André Holland (Kevin als Erwachsener), Naomie Harris (Chirons Mutter) u. a.

Altersempfehlung: ab 15