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20.04.2017 - Kinotipp: Ein Dorf sieht schwarz

Seyolo Zantoko aus dem Kongo hat bravourös seinen Abschluss als Mediziner an der Universität Lille bestanden. Nun hofft der schwarze Arzt auf eine feste Stelle, die französische Staatsbürgerschaft und damit die Möglichkeit, seine Familie aus Kinshasa nach Frankreich zu holen. Als der Bürgermeister von Marly-Gomont ihn engagiert, scheinen alle Wünsche in Erfüllung zu gehen. Zantokos Frau, Tochter Sivi und Sohn Kamini fliegen ein und die Familie begibt sich nach Marly-Gomont – ein gottverlassenes Provinznest, in dem viele Bewohner noch nie einen Schwarzen gesehen haben. Für Zantokos Frau und Kinder ein absoluter Schock, hatten sie doch erwartet nördlich von Paris, aber eben in der Nähe zur Hauptstadt zu leben. Die Dorfbevölkerung meidet die neuen Bewohner und niemand denkt auch nur dran, sich von einem schwarzen Doktor behandeln zu lassen. Während seine Frau und Kinder lieber heute als morgen den Rückzug antreten möchten, gibt sich Zantoko unerschütterlich zuversichtlich. Und tatsächlich bringt irgendwann der Notfall einer Hausgeburt den Durchbruch …

In „Willkommen bei den Sch’tis“ war es „nur“ die Versetzung eines Südfranzosen in ein nordfranzösisches Dorf, die bei allen einen Kulturschock auslöste. Hier sieht ein Dorf im doppelten Sinne schwarz. Dazu kommt noch die Tatsache, dass der Bürgermeister Zantoko nicht aus echtem Interesse und Überzeugung eingestellt hat, sondern um seine Chancen im Wahlkampf zu verbessern. Lange Zeit sieht es so aus, als habe er sich und seinem Wahlerfolg damit keinen Gefallen getan … Dass die vertrackten Verhältnisse nur sehr sehr langsam aufgelöst werden, macht sie realistisch. Bemerkenswert ist, dass diese herzerfrischende französische Komödie auf wahren Begebenheiten aus den 1970er Jahren beruht, die der Sohn des Arztes, Kamini Zantoko, in einem Drehbuch verarbeitet hat. Der Film gewann den Publikumspreis der Französischen Filmtage Tübingen Stuttgart.

Frankreich 2016, 96 Min. Regie: Julien Rambaldi Darsteller: Marc Zinga (Seyolo Zantoko), Aïssa Maïga (Anne Zantoko), Kamini Zantoko (Bayron Lebli), Médina Diarra (Sivi), Rufus (Jean), Jonathan Lambert (Lavigne), Jean-Benoît Ugeux (Bürgermeister) u.a. FSK: o.A. empfohlen ab 8