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DIE PERLMUTTERFARBE

Deutschland 2008, Marcus H. Rosenmüller
103 Min., Farbe, FSK: 6, empfohlen ab 8 Jahre

Best of 2009 (Jugendvideopreis)
Top-Video im Juli 2009

Alexander möchte unbedingt den Malwettbewerb der Schule gewinnen und Lotte beeindrucken, in die er heimlich verliebt ist. Ausgerechnet Maulwurf, sein bester Freund, wirbt auch um die Gunst der Klassenkameradin. Maulwurf ist ein genialer Tüftler und Erfinder: Neben einer abenteuerlichen Kitzelmaschine hat er gerade die wundersame Perlmutterfarbe erfunden. Das geheimnisvolle Elixier lässt gegen das Licht gehalten alle Farben des Regenbogens erstrahlen. Durch einen Zufall gerät Alexander in den Besitz der wertvollen Flasche. Auf einmal geht alles schief und Alexander verstrickt sich in eine Notlüge, was eine Kette von verhängnisvollen Ereignissen nach sich zieht. Gruber, der Neue in der Klasse, ist der Einzige, der die Wahrheit kennt. Raffiniert nutzt er dieses Wissen, um sich die A-Klasse gefügig zu machen. Gruber findet einen Sündenbock und ruft zum Bandenkrieg der A gegen die B-Klasse auf. Fortan stehen unbedingter Gehorsam und militärisch geordnete Schneeballschlachten auf dem Plan. Als Alexander dann auch noch erfahren muss, dass seine Mutter ihm ein Märchen über den abwesenden Vater aufgetischt hat, platzt bei ihm der Knoten. Vor der ganzen Schule rückt Alexander schließlich mit der Wahrheit heraus. Das bringt ihm zwar keinen Preis beim Wettbewerb ein, dafür die Anerkennung und den Respekt der Kinder, die ihm wirklich wichtig sind. Nebenbei setzt er dem demagogischen Treiben Grubers ein Ende.

Der bayerische Erfolgsregisseur Marcus H. Rosenmüller hat die Verfilmung des gleichnamigen Romans aus den 1930er Jahren bereits vor seinem großen Durchbruch mit „Wer früher stirbt ist länger tot“ verfolgt. Das Projekt wurde dann aber erst Jahre später realisiert. Der Familienfilm schwelgt in der nostalgischen Stimmung der märchenhaft verschneiten, süddeutschen Kleinstadt und dem Lausbubencharme der Kinderbande. Umso stärker ist dann der Kontrast zur parabelhaften Geschichte über Mitläufertum und Machtmissbrauch. Die Parallelen zum Nationalsozialismus sind kein Zufall: Die jüdische Romanautorin Anna Maria Jockl verarbeitete ihre Erfahrungen in Deutschland vor dem 2. Weltkrieg. Rosenmüller hat die politische Sprengkraft der Geschichte zugleich leichtfüßig und eindringlich in schönen Kinobildern auf die Leinwand gebracht. Einziges Problem: Der starke Akzent, den alle in diesem Film sprechen, dürfte nicht-bayerischen Kindern einiges abverlangen. Die Dialoge sind nicht immer gut zu verstehen. Trotz dieser Kritik ein unterhaltsames Schulabenteuer mit wichtiger Aussage.

DVD-Bildformat: 1:2,35; 16:9
Ton: Dolby Surround, Dolby Digital 5.1
Sprache: Deutsch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
DVD-Extras: Audiokommentar, Entfallene Szenen, Outtakes, Making of, Featurettes, Bio- und Filmografien

Die Autorin konnte trotz abenteuerlicher Flucht aus Deutschland das Manuskript retten. Der Roman erschien kurz nach dem 2. Weltkrieg erstmalig in der DDR, wurde wenig später jedoch verboten und erst nach der Wende wieder aufgelegt.

Jurybegründung:
Einen wesentlichen Teil seiner Authentizität und Atmosphäre bezieht diese gelungene Romanverfilmung über Mitläufertum und Machtmissbrauch in einer Volksschulklasse durch sein historisch in den 1930ern verortetes Lokalkolorit und den bayerischen Dialekt. Etwaige Verständnisprobleme hierbei treten dank einer aussagefähigen Bildsprache, guter Kameraführung und zahlreichen Identifikationsmöglichkeiten mit den „Lausbuben“ der Geschichte in den Hintergrund.

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