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Der aktuelle Buchtipp

Kino- und Jugendkult der 60er Jahre: Klaus Lemke

Er gehört zu den wenigen deutschen Filmemachern, die sich zu recht als „Independent“ bezeichnen können: Klaus Lemke, der vor allem durch seine Schwabing-Filme mit der schrägen Cleo Kretschmer in Erinnerung ist. Er ist einer der Regisseure der ersten Generation des jungen deutschen Films und hat, nachdem er 1967 mit „48 Stunden bis Acapulco“ das große Hollywood-Kino adaptierte, einen eigenen, unverwechselbaren Stil gefunden, der sich durch Authentizität und Improvisation auszeichnet.

Zu seinen in diesem Sinne bemerkenswertesten Filmen zählt „Rocker“ aus dem Jahre 1971: das hautnahe Porträt von Zweirad-Desperados aus Hamburg zu den Songs von Mick Jagger und mit Bildern wie aus den Filmen von Roger Corman, Dennis Hopper und Kenneth Anger. Ein Film über eine Generation, die stark vom amerikanischen Kino geprägt wurde und im vergleichsweise ‚engen’ Deutschland eigene Wege der Freiheit suchte.

Leider gibt es heute kaum noch Gelegenheiten, diesen und andere Filme von Lemke im Kino oder auf dem Bildschirm zu sehen; zumindest eine DVD-Edition wäre wünschenswert. Dafür entschädigt (vorläufig) das Klaus Lemke Lesebuch INSIDE LEMKE, in dem bekannte Filmemacher, Kritiker, Autoren und Cineasten über Lemke und seine Filme schreiben. Unter.anderem erfährt man hier, dass sich Wolfgang Büld, der später selbst einige passable Jugendfilme wie „Punk in London“ und „Brennende Langeweile“ gedreht hat, durch Lemkes „Rocker“ zu eigenen Filmen animiert wurde.

Das locker und lebendig, spannend und inspirierend geschriebene und zusammengestellte Buch ist erschienen im Filmverlag Schnitt, Köln 2006, 288 Seiten, und kostet 14,90 Euro. ISBN 3-9806313-6-2.