Mit „Lucy“ begründet der französische Kult-Regisseur Luc Besson ein neues Genre: den esoterischen Action-Thriller.
Luc Besson – der Name des französischen Regisseurs steht für Filme wie „Subway“, „Nikita“, „Leon, der Profi“ oder „Das fünfte Element“, allesamt Klassiker des Action-, Thriller- und Science-Fiction-Genres. Bessons neuer Film mit Scarlett Johansson in der Hauptrolle knüpft thematisch zunächst an seinen Thriller „Nikita“ an: Die lebenslustige Lucy studiert in Taipeh, ist aber weniger an der Universität als vielmehr in den abgefahrensten Clubs unterwegs. Als sie an den Drogenboss (Choi-Min-sik) gerät, kippt ihr cooles Leben als Partygirl. Mit martialischen Methoden zwingt er Lucy als Drogenkurier zu arbeiten. Doch die blauen Kristalle, die Lucy da in den Bauch eingenäht werden, haben es in sich. Als sie von einem ihrer Wächter brutal in den Bauch getreten wird, platzt der Drogenbeutel. Einige Kristalle erzeugen in Lucys Blutbahnen ein wahres Feuerwerk. Normalerweise, so trägt derweil Neurologie-Professor Dr. Norman (Morgan Freeman) vor, vermag der Mensch nur etwa 10 Prozent seiner Gehirnkapazität nutzen. Was wäre, wenn er 100 Prozent nutzen könnte, fragt ein Zuhörer. Der Professor muss ihm die Antwort vorerst schuldig bleiben. Noch kennt er Lucy nicht. Doch das ändert sich bald. Lucy spürt, dass die Droge in ihrem Körper im wahren Sinne des Wortes bewusstseinserweiternd ist. Deshalb sucht sie den Kontakt zu Prof. Norman, den sie als Experten im Internet ermittelt. Sie will verstehen, was mit ihr vorgeht. Als sie sich treffen, begreift Dr. Norman schnell, dass hier eine Frau vor ihm steht, die durch die geheimnisvolle Droge immer tieferen Zugang zu den Möglichkeiten ihres Gehirns hat. Und Lucy nutzt diese enormen und stetig wachsenden mentalen Fähigkeiten, um einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen ihre Häscher und deren Boss zu führen.
Scarlett Johansson darf sich unter Bessons Regie von einem Partygirl zu einer mentalen Kampfmaschine wandeln, was der Hollywood-Schauspielerin sichtlich Spaß macht. Doch Besson geht es diesmal nicht allein um actionreiche Frauen-Power wie in manchen seiner früheren Filme. Der Kultregisseur baut in seinen Actionplot geschickt eine Science-Fiction-Story ein, die erzählt, was geschehen kann, wenn ein Mensch immer größere Teile seiner Gehirnkapazität nutzen kann. Das beginnt in dem überlangen und dokumentarisch bebilderten Vortrag von Dr. Norman am Beginn des Films noch etwas mühsam, um dem Zuschauer Basisfakten zu diesem wissenschaftlichen Problem zu geben. Doch nach Lucys Begegnung mit dem Professor mündet die Handlung in eine bombastisch visualisierte Odyssee des menschlichen Geistes. Originell und spannend treibt Besson seine Geschichte im Schlussteil nun unversehens in philosophische und esoterische Höhen. „Lucy“ sprengt die klassischen Genres und konfrontiert den Zuschauer wie einst Stanley Kubrick in „2001 – Odyssee im Weltraum“ unversehens mit den Grundfragen des menschlichen Seins und der Existenz einer „reinen Seele“.
Frankreich 2014, Regie: Luc Besson, 89 min., FSK: 12