Primus hat zwar immer wieder neue Ideen, aber von Erfolg sind die nicht gekrönt. Der Norweger hat es in seinem Bergdorf schon mit einem Hotel oder auch einem Skiverleih versucht. Geblieben sind ihm davon nur Pleiten und Schulden. Da kommen die vielen Flüchtlinge gerade recht, denn Primus plant, sein leerstehendes Hotel mit wenig Aufwand in eine Flüchtlingsunterkunft zu verwandeln. Bei der Behörde hat er bereits alles angemeldet und hofft auf regelmäßigen Geldsegen. Doch um die endgültige Genehmigung zu erhalten, muss noch einiges getan werden. Als die erste Busladung Flüchtlinge ankommt, steht Primus vor weiteren Problemen, denn weder kann er einzelne Männer mit einzelnen Frauen zusammen in ein Zimmer stecken, noch Sunniten mit Schiiten oder Moslems mit Hindus. Wäre da nicht Abedi, der für Primus aus dem Arabischen ins Norwegische übersetzen kann, würde schon jetzt das Chaos ausbrechen. Dass aber selbst mit dieser Basisverständigung die Probleme nun erst richtig beginnen, hatte Primus nicht geahnt.
Eine brandaktuelle Geschichte, ein brandaktuelles Thema greift der norwegische Film in einer gekonnt inszenierten Komödie auf. Die Probleme werden realistisch, aber mit Humor und gelegentlich satirischer Spitze und immer mit großer Leichtigkeit angepackt. Auch Primus' nicht eben leichte private Situation mit Frau und halbwüchsiger Tochter kommt nicht zu kurz, ebenso wenig die Seitenhiebe auf die Bürokratie und ihre Vertreter, die ebenfalls unrühmliche Auftritte haben. Gelungene Unterhaltung also, die immer auch zum Nachdenken, zum Gespräch und zum Überdenken der eigenen Haltung in der Flüchtlingsfrage anregt.
WELCOME TO NORWAY wurde auf dem 27. Internationalen Filmfest Emden-Norderney mit dem DGB Filmpreis ausgezeichnet, der seit 1998 vom Publikum für einen gesellschaftlich in besonderer Weise engagierten Film vergeben wird.
Regie und Buch: Rune Denstad Langlo, Norwegen 2016/91 Minuten
Darsteller: Anders Baasmo Christiansen, Olivier Mukuta, Slimane Dazi, Henriette Steenstrup, Renate Reinsve u.a.