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POLL

Deutschland, Österreich, Estland 2010, Chris Kraus
129 Min., Farbe, FSK: 12, empfohlen ab 16 Jahre

Top-Video im Oktober 2011

Nach dem Tod ihrer Mutter kommt die 14-jährige Oda im Jahr 1914 aus Berlin nach Poll, einem kleinen Gut an der baltischen See. Hier lebt Ihr Vater mit seiner neuen Frau, der gelangweilten Herrin des Gutes. Odas Vater ist Arzt und seine medizinische Forschung steht für ihn an oberster Stelle. Oda bewundert ihn, allerdings merkt sie bald, dass er sich mehr für Tote als für Lebende interessiert. In der morbiden, zerbrechlichen Atmosphäre der kleinen Gutsgemeinschaft, deren Strukturen sich stetig auflösen, tröstet sich Oda, indem sie zeichnet und schreibt. Als sie einen verwundeten estnischen Anarchisten entdeckt, versteckt sie ihn auf dem Dachboden über dem Seziersaal des Vaters. Aus ihrer Neugier auf den fremden Menschen entsteht auf Odas Seite bald eine zarte Liebe. Das romantische Geheimnis weckt in Oda eine Lebendigkeit, die zuvor niemals gespürt hat. Der tödlichen Gefahr, in der allerdings sie, ihr Schützling und die ganze Familie schweben, ist sie sich dabei keineswegs bewusst.

„Poll“ ist ein bildgewaltiger, sehr eindringlicher Film. Die unterschiedlichen Leidenschaften seiner Figuren sind durch die Farben und die teilweise drastische Gestaltung geschickt verwoben und mit der Zeit, in der die Geschichte spielt, verknüpft. Die temporeiche Dramatik und die düstere Gesamtatmosphäre schaffen dabei eine sehr emotionale Welt. Chris Kraus scheut sich nicht, die Sezierungsarbeiten des fanatischen Vaters, großartig dargestellt von Edgar Selge, in Großaufnahmen darzustellen. Dessen Beschäftigung mit Toten und Leichenteilen wird der sterbenden, feinen Gesellschaft gegenübergestellt, die mit Hilfe von Musik- und Leseabenden oder gelegentlichem Picknick am Strand lebendig zu bleiben versucht. Die auf dem Gut untergebrachten zaristischen Soldaten, die hier die eigentlichen Herren zu sein scheinen, sind allgegenwärtig und treiben den Umbruch offensichtlich voran. In dieser Stimmung des unaufhaltbaren Zusammenbruchs ist die junge Oda, die versucht, ihre Gefühle mit Hilfe von Musik, Poesie und Zeichenkunst zu retten, eine mutige „Überlebens“kämpferin. Thematisch kein leichte Kost, die filmisch absolut beeindruckt.

DVD-Bildformat: 1:2,35; 16:9
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Deutsch, Deutsch für Sehgeschädigte
Untertitel: Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
DVD-Extras: Making of, Interviews, Booklet
t Hilfe von Musik, Poesie und Zeichenkunst zu retten.

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Anbieter:

Verleih-DVD: Piffl Medien
Kauf-DVD: Piffl Medien

 



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