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9 LEBEN

Deutschland 2011, Maria Speth
105 Min., Farbe, FSK: 12, empfohlen ab 14 Jahre

Top-Video im Februar 2012

Einst haben sie ihrem Elternhaus bewusst den Rücken gekehrt, um ein Leben auf den Straßen von Berlin zu führen. Im Dokumentarfilm von Maria Speth erzählen Sunny, Toni, Krümel, JJ, Stöpsel, Soja und Za vor laufender Kamera, was sie zu diesem Schritt bewogen hat, welche Hoffnungen und Erwartungen damit verknüpften, was sie auf der Straße erlebt haben und wie sie sich heute fühlen. Auf der einen Seite greift die Filmemacherin mit ihrer Arbeit bewusst die bekannten Vorurteile und Klischees über Straßenkinder und ihren sozialen Werdegang auf, der oft von Ignoranz, Vernachlässigung und Gewalterfahrungen. Nicht selten endet er in Kleinkriminalität oder im Suchtverhalten. Auf der anderen Seite werden solche Klischees bewusst infrage gestellt und durch ein weitaus differenzierteres Bild über Straßenkinder und ihre Schicksale oder auch ihre Chancen ergänzt.

Um nicht letzten Endes doch wieder dem Sog der Bilder zu erliegen, entschied sich Maria Speth dazu – stellvertretend für etwa 2000 weitere Schicksale allein in der Stadt Berlin – die sieben Jugendlichen komplett aus ihrem Alltag herauszulösen und sie in einer Studioatmosphäre in strengen Schwarzweißaufnahmen vor weißem Hintergrund zu porträtieren. So bleibt den Zuschauern gar nichts anderes übrig, als sich auf die einzelnen Personen einzulassen und auf das, was sie mit Worten, in ihren Gesten oder auch musikalisch vermitteln. Denn gut die Hälfte der oftmals in langen Einstellungen in Großaufnahme Porträtierten fand in der Musik ein adäquates Ausdrucksmittel der Selbstartikulation und der Selbstverwirklichung. Eines der Mädchen, deren Lebensläufe besonders beeindruckend wirken, brachte es sogar bis in einen Bundeswettbewerb.

Deutlich macht der Film vor allem drei Aspekte: Straßenkind zu sein kann den Tod bedeuten, darf aber nicht annähernd mit Chancenlosigkeit verwechselt werden. Straßenkinder sind zwar grundsätzlich besonders misstrauisch, aber alle stimmen darin überein, dass ihr Freundeskreis auf der Straße weitaus echter und ehrlicher war, als in ihrem ursprünglichen Lebensumfeld. Auf diese Weise hält der Film uns allen einen Spiegel vor.

DVD-Bildformat: 16:9
Ton: Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0
Sprache: Deutsch
Untertitel: Englisch

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Kauf-DVD: Filmgalerie 451

 



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